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Agenturprojekte realistisch kalkulieren

Eine gute Kalkulation ist eine Rechnung mit klaren Bausteinen. Wir rechnen einen Website-Relaunch komplett durch: vom eigenen Stundensatz über die Leistungen und Fremdkosten bis zur Nachkalkulation nach dem Launch.

10 Minuten Lesezeit

Rechne vom Ergebnis her

Halte zuerst fest, was am Ende übergeben wird. Eine Website mit sechs Seitentypen und zwanzig gepflegten Seiten ist etwas anderes als „eine Website“. Je konkreter das Ziel, desto genauer die Zahlen.

Ein Satz pro Ergebnis genügt: was geliefert wird, in welcher Qualität und in welcher Menge. Daraus entsteht der Leistungsumfang, auf den sich beide Seiten später beziehen.

Zerlege das Projekt in Leistungen

Eine Gesamtsumme sagt wenig. Sechs bis zehn Leistungen sagen viel. Konzept, Design, Umsetzung, Abstimmung, Projektleitung: Jede Leistung bekommt ihre eigenen Stunden und ihr eigenes Budget.

Der Gewinn zeigt sich im laufenden Projekt. Du siehst je Leistung, wie viel bereits verbraucht ist, und erkennst früh, welche Position mehr Raum braucht.

Schätze mit drei Werten statt mit einem

Schätze jede Leistung dreimal: den schnellen Verlauf, den wahrscheinlichen Verlauf und den aufwendigen Verlauf. Kalkuliere mit dem wahrscheinlichen Wert und behalte die Spanne als Risikobild im Kopf.

Zwei Positionen gehören in jede Kalkulation: Abstimmung und Projektleitung. Beides kostet echte Zeit. Zehn bis fünfzehn Prozent des Projektaufwands sind dafür ein guter Startwert.

Lege außerdem fest, wie viele Korrekturschleifen enthalten sind. Diese eine Zeile im Angebot macht spätere Gespräche leicht.

Schritt 1: dein Stundensatz

Ab hier wird gerechnet. Alle Zahlen sind Beispielwerte einer Agentur mit acht Mitarbeitenden — setze deine eigenen ein, die Logik bleibt gleich.

Der Stundensatz trägt mehr als ein Gehalt. Er trägt den Arbeitsplatz, die Lizenzen, die Verwaltung, die Akquise und alles, was kein Kunde direkt bezahlt.

Was eine Person im Jahr kostet

Arbeitgeberbrutto (Gehalt und Sozialabgaben) 65.000 €
Arbeitsplatz: Raum, Technik, Lizenzen, Weiterbildung 12.000 €
Anteil Verwaltung, Akquise und Geschäftsführung 13.000 €
Vollkosten pro Person und Jahr 90.000 €

Wie diese 90.000 € zusammenkommen, rechnest du mit deinen eigenen Zahlen im Vollkostenrechner für einen Arbeitsplatz nach.

Wie viele Stunden davon verkaufbar sind

Arbeitstage im Jahr 260
Feiertage, Urlaub, Krankheit und Weiterbildung − 51
Anwesenheitstage · 8 Stunden 1.672 h
Davon auf Kundenprojekte buchbar: 70 % 1.170 h

90.000 € ÷ 1.170 h = 77 € pro Stunde

Das ist der Punkt, an dem du deine Kosten deckst. Mit 15 % Aufschlag für Gewinn und Investitionen liegt der Listenpreis bei rund 90 € pro Stunde.

Ein Wert bewegt diese Rechnung stärker als jede Gehaltsverhandlung: der buchbare Anteil. Fallen statt 70 % nur 60 % der Anwesenheit auf Kundenprojekte, sind es 1.003 Stunden — und schon 90 € pro Stunde decken lediglich die Kosten.

In der Praxis arbeiten die meisten Teams mit Sätzen je Rolle. Für die Beispielkalkulation gilt: Beratung und Projektleitung 105 €, Konzept und Design 95 €, technische Umsetzung 90 €.

Schritt 2: der Website-Relaunch in Leistungen

Der Auftrag: neue Website mit sechs Seitentypen, zwanzig gepflegten Seiten, zwei Korrekturschleifen im Design, Übergabe mit Schulung.

Leistung Stunden Satz Summe
Kickoff, Analyse und Konzept 40 95 € 3.800 €
Seitenstruktur und Wireframes 32 95 € 3.040 €
Screendesign, sechs Seitentypen 60 95 € 5.700 €
Technische Umsetzung 120 90 € 10.800 €
Inhalte einpflegen, zwanzig Seiten 24 90 € 2.160 €
Test und zwei Korrekturschleifen 28 90 € 2.520 €
Launch, Übergabe und Schulung 12 90 € 1.080 €
Projektleitung und Abstimmung, 12 % 38 105 € 3.990 €
Eigenleistung gesamt 354 33.090 €

Jede Zeile ist später eine eigene Budgetposition. Genau in dieser Aufteilung siehst du im laufenden Projekt, welche Leistung Raum hat und welche knapp wird.

Schritt 3: Fremdkosten, Puffer und Angebotssumme

Bilder, Schriften, Druck, Hosting, externe Partner: Diese Beträge gehören in die Kalkulation, bevor das Angebot rausgeht. Führe sie getrennt von deiner eigenen Leistung, damit jederzeit sichtbar bleibt, was durchgereicht wird und was deine Arbeit ist.

Bildlizenzen 600 €
Schriftlizenzen 400 €
Server und Einrichtung durch Partner 800 €
Aufschlag für Auswahl, Prüfung und Abwicklung, 10 % 180 €
Fremdkosten gesamt 1.980 €
Eigenleistung aus Schritt 2 33.090 €
Risikopuffer auf die Eigenleistung, 8 % 2.650 €
Angebotssumme netto 37.720 €

Im Angebot steht eine runde Zahl: 38.000 € netto.

Gegenprobe: 38.000 € minus 1.980 € Fremdkosten, geteilt durch 354 Stunden, ergibt rund 101 € pro Stunde. Das liegt über dem Listenpreis von 90 € — der Puffer ist eingerechnet und das Projekt trägt.

Wähle das passende Angebotsmodell

Die gleiche Kalkulation lässt sich unterschiedlich anbieten. Entscheidend ist, wie klar der Umfang heute schon beschreibbar ist.

Festpreis

Passt bei klar beschriebenem Umfang, wie im Beispiel. Der Puffer gehört fest hinein, und ein Satz regelt, ab wann ein Zusatzwunsch ein Nachtrag ist.

Nach Aufwand

Passt bei offenen Vorhaben. Vereinbare eine Obergrenze und einen festen Rhythmus für Zwischenstände, im Beispiel etwa 38.000 € als Deckel.

Monatspauschale

Passt bei laufender Betreuung. Aus 30 Stunden im Monat zu 95 € werden 2.850 € pauschal — plus einer Regel für Mehrleistung.

Schritt 4: die Nachkalkulation nach dem Launch

Vier Monate später ist die Website live. Jetzt kommt die wertvollste Zahl des ganzen Projekts: der Vergleich zwischen geplanten und erfassten Stunden.

Leistung Geplant Erfasst Abweichung
Kickoff, Analyse und Konzept 40 36 − 4
Seitenstruktur und Wireframes 32 30 − 2
Screendesign, sechs Seitentypen 60 78 + 18
Technische Umsetzung 120 126 + 6
Inhalte einpflegen, zwanzig Seiten 24 38 + 14
Test und zwei Korrekturschleifen 28 24 − 4
Launch, Übergabe und Schulung 12 14 + 2
Projektleitung und Abstimmung 38 44 + 6
Gesamt 354 390 + 36

36 Mehrstunden, rund 10 % — und das Projekt trägt trotzdem.

36.020 € Eigenleistung durch 390 Stunden ergibt 92 € pro Stunde. Das liegt weiterhin deutlich über den 77 €, die deine Kosten decken. Genau dafür war der Puffer da.

Drei Erkenntnisse für das nächste Angebot: Screendesign mit sechs Seitentypen braucht rund 75 statt 60 Stunden. Das Einpflegen von Inhalten verdient eine eigene, größere Position. Und die dritte Korrekturschleife gehört ausdrücklich ins Angebot — entweder als enthaltene Leistung oder als benannter Nachtrag.

Nach fünf so ausgewerteten Projekten schätzt du nicht mehr. Du rechnest mit Erfahrungswerten.

Deine Kalkulation in sieben Zeilen

Ergebnisse benannt und beschrieben

Projekt in einzelne Leistungen zerlegt

Je Leistung ein wahrscheinlicher Aufwand geschätzt

Abstimmung, Projektleitung und Korrekturschleifen eingeplant

Stundensätze je Rolle aus den Vollkosten hergeleitet

Fremdkosten getrennt erfasst und Puffer gesetzt

Nachkalkulation nach dem Launch fest eingeplant

So hilft dir worqy dabei

Mit worqy ist diese Rechnung wunderbar unkompliziert. Planung, erfasste Stunden und Auswertung liegen im selben Projekt — die Nachkalkulation aus Schritt 4 entsteht dadurch ganz nebenbei.

Budget direkt im Projekt

Beim Anlegen entscheidest du, ob das Projekt auf Stundenbasis, mit Budget oder intern geführt wird. Die 38.000 € begleiten das Projekt von der ersten Zusage an.

Projekt anlegen →

Jede Zeile der Tabelle als Budgetposition

Lege je Projektleistung ein Netto-Budget an, optional mit eigenem Stundensatz oder Multiplikator. Verbrauch, Restbetrag und Auslastung siehst du farblich im Projekt.

Projektbudget →

Fremdkosten getrennt geführt

Bild- und Schriftlizenzen oder Partnerleistungen erfasst du im eigenen Bereich des Projekts. So bleibt der Unterschied zwischen durchgereichten Kosten und eigener Arbeit sichtbar.

Fremdkosten im Projekt →

Stunden bleiben im Projektkontext

Dein Team bucht Zeiten auf Projekt und Leistung. Die 78 Stunden im Screendesign fallen dadurch auf, während das Projekt läuft — nicht erst danach.

Reporting und Zeiterfassung →

Auswertungen für die Nachkalkulation

Die Projektübersicht und die Monatsberichte liefern Stunden, Kosten und Ergebnis je Projekt und Kunde. Genau die Zahlen aus Schritt 4, ohne eigene Tabelle.

Projektübersicht und Auswertung →

Vom Angebot zur Rechnung

Aus dem angenommenen Angebot wird in worqy die Rechnung. Beim Anlegen von Projekten unterstützt dich worqy ai mit Vorschlägen für Projektname und Beschreibung.

Angebot erstellen und verwalten →

Schnell, übersichtlich, unkompliziert — worqy.

Tipp

Benenne die Projektleistungen über alle Projekte hinweg gleich. Dann zeigt dir die dritte Website, wie viele Stunden Screendesign bei dir wirklich braucht — und die Schätzung wird zur Erfahrung.

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